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Siemens will Ausbildungsstandorte schließen

Siemens-Niederlassung in Essen ist ebenfalls betroffen

01.08.2017 I Diese Nachricht ist ein Schlag ins Kontor für die Siemens-Niederlassung in Essen, reklamiert die IG Metall. Der Betriebsrat sieht die Entwicklung unisono und geht davon aus, dass der Betrieb ein Stück seiner Zukunftsperspektive einbüßt.

Bereits 2010 wurde die technische Ausbildung nach Düsseldorf verlagert. Seitdem werden in Essen jährlich nur noch sieben Kaufleute und dual Studierende eingestellt.

Der Betriebsrat befasst sich seit einiger Zeit mit dem gravierenden Personalrückgang und erstellt halbjährlich eine Personalstatistik, die er in jeder Betriebsversammlung vorstellt. In der Betriebsversammlung im Mai musste der Betriebsrat verkünden, dass die Beschäftigtenzahl auf unter 1000 Mitarbeiter gerutscht ist. Essen verliert altersbedingt mehr Personal als durch Auszubildende ersetzt werden, befürchtet Betriebsratsvorsitzender Peter Pawlowski. Auch wenn das Aufgabenvolumen durch Digitalisierung schrumpft, so werden bald einzelne Bereiche unterbesetzt sein und Fachkräfte fehlen. Der Betriebsrat fordert dazu: Ausbildung mit Perspektiven. Investieren statt reduzieren!

Schon im vergangen Jahr protestierten die Auszubildenden in der Kruppstraße für die Zukunft der Ausbildung

Eine Niederlassung sichert u.a. den Vertrieb und Support der Siemens Produkte. Ein ausblutendes Personalkonzept ist kein Weg zur Kundenbindung in Essen, mahnt Alfons Rüther, IG Metall Essen

Betriebsratsvorsitzender Pawlowski erhielt wie alle von der Schließung betroffenen Betriebsräte einen Termin bei der obersten Ausbildungsleitung in München. Pawlowski trug alle Fakten für die Bedeutung der Ausbildung in Essen vor. Ausbildung ist kein Kostenfaktor. Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft! Doch vergebens, die Siemens Spitze will das Personal in Deutschland verringern, auf Biegen und Brechen. Es gab bereits vor einigen Jahren den Versuch, die Ausbildung in Essen zu schließen. Immer wieder ist es den Betriebsräten gelungen, die Schließung zu verhindern. Doch diesmal sieht es so aus, dass wir am Scheideweg stehen, vermutet Pawlowski.

Die IG Metall befürchtet, dass Siemens Chef Kaeser die Ausbildung gar nicht mehr in seiner Tagesordnung vorsieht. Am 21. Juni protestierten 500 Auszubildende gegen die Schließung der Ausbildung in Duisburg. Duisburg ist der größte Ausbildungsstandort für metallverarbeitende Berufe in NRW. Auch hier keine Reaktion. Damit wären zwei Standorte im Ruhrgebiet von einer guten und hochwertigen Ausbildung abgeschnitten. Die IG Metall geht davon aus, dass Siemens im Ruhrgebiet weiter an Bedeutung verliert.

Im letzten Jahr wurde auf der Hafenstraße die Elektronikwerkstatt mit 60 Arbeitnehmern geschlossen. Der Siemens Energy-Sector auf der Econova-Allee mit über 300 Arbeitsplätzen wird im nächsten Jahr nach Mülheim umziehen. In Essen ist Siemens dann nur noch mit der Niederlassung vertreten.

Bericht und Foto: Alfons Rüther, IG Metall Essen