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Arbeitgeberverband gegen Recht auf Arbeitszeitflexibilität für Beschäftigte

Tarifforderung löst Weltuntergangsstimmung im Arbeitgeberlager aus

12.10.2017 I Die Tarifforderung zum Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung löst im Arbeitgeberlager eine Weltuntergangsstimmung aus. Der Essener Unternehmensverband prophezeit Arbeitsplatzverluste

In der WAZ weist Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des Essener Unternehmensverbandes, die Forderung der IG Metall als absurd zurück. Das Recht der Beschäftigten, die Arbeitszeit verkürzen zu können und anschließend wieder in Vollzeit zu gehen, führe aus seiner Sicht zur Tarifflucht und Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland.

WAZ-NRZ-Bericht vom 12.10.2017

Die IG Metall hält dagegen:

Essen, 12.10.2017: Populismus wirft die IG Metall dem Hauptgeschäftsführer des Essener Unternehmensverbandes vor. Kanders polarisiert den anstehenden Tarifkonflikt mit Drohungen von Arbeitsplatzverlagerungen und zunehmenden Fachkräftemangel, wenn Beschäftigte das Recht erhalten, befristet ihre Arbeitszeit zu verkürzen.

Bei der IG Metall Essen stoßen solche Drohungen auf Unverständnis, so Volker Becker-Nühlen, Bevollmächtigter der IG Metall Essen-Mülheim. Die Arbeitgeber genießen weitgehende Flexibilisierungsinstrumente. Im Betrieb kann ohne Lohnausgleich die Arbeitszeit abgesenkt werden, um Krisen zu bewältigen. Gleichermaßen kann der Arbeitgeber die Arbeitszeit um bis zu fünf Stunden in der Woche zuschlagsfrei erhöhen, wenn es ihm wirtschaftlich gut geht.

Nun fordert die IG Metall gleichermaßen ein Flexibilisierungsinstrument für die Beschäftigten. Wenn Arbeitnehmer wegen Kindererziehung oder der Pflege von Älteren bis zu zwei Jahren die Arbeitszeit verkürzen wollen, geht für den EUV gleich die Welt unter. Was dem Arbeitgeber zugestanden wird, soll den Arbeitnehmern verwehrt bleiben.

Der IG Metall geht es mit der Forderung auf ein Recht nach Arbeitszeitverkürzung und dem Rückkehrrecht auf Vollzeit um die Balance zwischen Unternehmensinteressen und den persönlichen Zeitinteressen von Beschäftigten.

Die Stellungnahme des EUV wird in der IG Metall mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen. Tarifrunden, in denen die Arbeitgeber stark polarisieren, führten in der Vergangenheit immer zu einer großen Mobilisierung unter den Mitgliedern. Und wenn viele mitmachen, dann gab es auch immer einen guten Abschluss, freut sich Becker-Nühlen.