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Gewerkschaften und Stadtspitze: Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit

Oberbürgermeister laden Arbeitnehmervertungen ein

30.04.2018 I Traditionell laden die Oberbürgermeister die Arbeitnehmervertreter am Vorabend des 1. Mai ein. In Essen will OB Kufen prüfen, ob er in der Stadt auf sachgrundlose Befristungen verzichten kann und Oberhausens OB Schranz setzt auf aktive Industriepolitik für mehr Wertschöpfung.

Essen/Oberhausen: "Die finanzielle Belastung aus dem Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst beträgt 40 Millionen Euro für die Stadt Essen", so Kufen, OB der Stadt Essen beim Arbeitnehmerempfang in der 22. Etage des Essener Rathauses. Kufen hält trotz der Belastungen am Tarifabschluss fest, denn es sei ihm wichtig, auch im Wettbewerb mit der Wirtschaft Fachkräfte für die Stadt zu gewinnen.

Oberbürgermeister Thomas Kufen, Essen
Kufen sieht in der sachgrundlosen Befristung kein Zukunftsmodell für die Stadt Essen. Er will prüfen, wo diese grundsätzlich entfallen kann. Dafür erhielt Kufen von Elke Hannack, DGB-Bundesvorstand, ein großes Lob, denn damit gehe Kufen über den Koalitionsvertrag hinaus. "Die Forderung der Gewerkschaften, sachgrundlose Befristungen abzuschaffen, haben die Koalitionäre nicht aufgenommen", so Hannack, die selbst der CDU angehört. Hannack tritt als Mairednerin in Essen auf.

Dieter Hillebrand, Stadtverband Essen
Dieter Hillebrand, DGB Stadtverband Essen, erinnerte noch einmal an den Bergbau, der die Region über viele Jahrzehnte prägte und das Maimotto über viele Jahre erfüllte. Bergmänner mussten sich immer aufeinander verlassen können, Unterschiede bei Herkunft oder Glauben waren unter Tage nicht möglich. Diese Integration fehle heute und diese fordert der DGB zum ersten Mai wieder ein. Hillebrand trug auch die Forderung der DGB-Jugend nach einem Azubi-Ticket im VRR vor. Der Preis soll gerecht nach der Höhe der Ausbildungsvergütung bemessen werden.

Oberhausens Oberbürgermeister Daniel Schranz forderte die Teilnehmer erst einmal zum Gruppenbild auf. Vor der Luise-Alberts-Halle sollten alle ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Schranz erinnerte an die Zeiten des Bergbaus, der viele Nationen zusammen brachte, und so für ein wirtschaftlich starkes Ruhrgebiet sorgte.

Gruppenfoto in Oberhausen um dem Rassismus zu trotzen

Schranz kritisierte die Schließung der GHH Rand in Oberhausen. Sowohl die Art und Weise, wie die Schließung durch die Konzernleitung in einer kurzen Erklärung den Beschäftigten verkündet wurde, als auch die wirtschaftlichen Gründe, kritisierte er in seiner Rede. Schranz will eine aktive Industriepolitik, welche die Wertschöpfung und somit die Steuereinnahmen der Gemeinde sichern.

von links: Thomas Schicktanz, DGB Stadtverband Oberhausen, Daniel Schranz, Oberbürgermeister Oberhausen
Thomas Schicktanz, DGB Stadtverbandsvorsitzender, erinnerte an die Tradition der Arbeitnehmerempfänge. Schließlich engagieren sich im Ruhrgebiet die Gewerkschaften seit mehr als 125 Jahren für die Rechte der Arbeitnehmer. Schicktanz ist zufrieden mit dem Ergebnis der Betriebsratswahlen, die in Oberhausen von rechter Unterwanderung verschont geblieben sind.

Jörg Schlüter, neu gewählter Geschäftsführer und Bevollmächtigter in MEO, war erstmals in Essen und in Oberhausen dabei. Im Gruppenbild des Oberhausener Empfangs steht Schlüter als dritter von rechts. Schlüter ist zufrieden mit der Unterstützung der Stadt Oberhausen und auch der Landesregierung um den Erhalt der GHH Rand in Oberhausen. Schlüter ist skeptisch, ob sich die Muttergesellschaft in Amerika von den Interventionen beeinflussen lässt. Dennoch, so Schlüter, ist das ein gutes Zeichen, dass wir im Land und der Stadt zur Sicherung von Industriearbeitsplätzen einen verlässlichen Partner haben.

Bericht und Fotos: Alfons Rüther, IG Metall Essen