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Stahl: Der Countdown läuft!

Vertrauensleute in den Stahlbetrieben bereiten sich auf harte Tarifrunde vor

19.11.2018 I 70 Vertrauensleute aus den Stahlbetrieben Mülheim, Essen, Oberhausen und Gelsenkichen trafen sich heute in Mülheim. Sie bereiten sich auf eine harte Stahl-Tarifrunde vor. Klaus Löllgen, Tarifsekretär für die Stahlbranche in NRW gibt einen Branchenreport.

„Es geht um mehr als nur um Geld in der Stahlrunde 2019. Die IG Metall bereitet sich auf Verhandlungen in einem schwierigen Umfeld vor“, berichtet Löllgen. Hintergrund dafür sind die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, denn die Stahlherstellung erfährt Gegenwind und die Verarbeitung Rückenwind, erklärt Löllgen. „Dazu kommt, dass nicht nur der Entgelttarifvertrag ausläuft, sondern auch noch die Altersteilzeit, die Übernahme der Auszubildenden und die Beschäftigungssicherung.“

Vertrauensleute beraten in Mülheim, welche Forderung durchsetzbar ist.

Bereits im Vorfeld berichten die Arbeitnehmer aus der Stahlbranche, dass sie mehr Wahlfreiheit zwischen Geld und Freizeit wünschen. „Das wird die IG Metall berücksichtigen,“ erklärt Löllgen und verweist auf die am 20.11. stattfindende Tarifkommissionssitzung. "Eine Forderung nach Wahlfreiheit wird erwartet, nachdem die Beschäftigten der Metall-Elektroindustrie den Tarifabschluss so gut bewertet haben."

Löllgen geht von harten Verhandlungen aus und berichtet, dass die Arbeitgeber ihrerseits nur den Inflationsausgleich zwischen 1,7 – 2,2 % weitergeben wollen. „Der Produktivitätsgewinn sei das Ergebnis der Investition durch die Arbeitgeber, da haben die Arbeitnehmer keinen Anspruch drauf.“ Das sei, so Löllgen, eine neue Form der Argumentation, welche die Arbeitgeber verwenden. Produktivitätszuwächse seien nur möglich, wenn Arbeitnehmer sie erwirtschaften.

Jörg Schlüter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall MEO, verweist auf die Bedeutung der Stahl-Tarifrunde. Alle Sekretäre aus MEO und Gelsenkirchen sind zur Unterstützung gekommen. Nach dem Erfolg der Metall- und Elektroindustrie in der Tarifrunde 2018 mit der Wahlmöglichkeit "Geld oder Freizeit" wird sich zeigen, ob solche Modelle auf andere Tarifbranchen übertragbar sind.

Zunächst diskutieren die Vertrauensleute in den Betrieben, was eine angemessene Forderungshöhe ist. Nach einem Vorstandsbeschluss im Dezember wird die IG Metall die Forderung an die Arbeitgeber richten. Die Verhandlungen beginnen dann im Januar, erklärt Dirk Horstkamp, Gewerkschaftssekretär für die Stahlbranche der IG Metall MEO.

Bericht und Fotocollage: Alfons Rüther, IG Metall Essen