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IG Metall mahnt EU: Nicht überziehen!

Sieben Jahre Laufzeit sind zu kurz für hochwertige Industrieanlagen

08.04.2019 I Kurze Zulassungszeiten für die Verwendung der Chemikalie Chrom VI gefährden Arbeitsplätze in der Oberflächenbehandlung. Das ist ein Rückschlag für die Hartverchromung bei Anke in Essen, erklärt Dietmar Philipp, Betriebsrat. Die IG Metall Essen ist besorgt, weil sie davon ausgeht, dass dieser Beschluss eine Investitionszurückhaltung nach sich zieht und die Hartverchromung in Betriebe nach Fernost verlagert wird.

Ein Antrag der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament erreichte die Mehrheit für die Verkürzung der Zulassungszeiten für die Verwendung von Chrom VI.

Hintergrund ist die Reach-Zulassung in Europa, die in einer Verordnung vorschreibt, dass der Umgang mit gefährdenden Chemikalien nur noch zertifizierten Anbietern zur Verfügung steht. Die zuständige Behörde, ECHA, gewährt die Verwendung von Chemikalien für einen Zeitraum von 4- 12 Jahren. Nach dem Beschluss des Europäischen Parlaments erfolgt die Zulassung von Chrom VI nur noch für einen kurzen Zeitraum von 4 bis max. 7 Jahren. Genau darin liegt das Problem, erklärt Dietmar Philipp, Betriebsrat in Essen. Investitionszeiträume für Anlagen und Maschinen werden erst nach 13 Jahren abgeschrieben. Welcher Unternehmer investiert, wenn er keine Garantie für seine Abschreibungszeiten erhält?

Anke hat im letzten Jahr einen neuen Betrieb in der Econova-Allee zur Oberflächenbehandlung von Metallen eröffnet. Anke erfüllt höchste Sicherheitsstandards an Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen. Für solche Betriebe fordert die IG Metall die längsten Zulassungszeiten, erklärt Alfons Rüther Gewerkschaftssekretär. Sonst können diese Arbeiten in unkontrollierte Betriebe in Fernost abwandern. In Deutschland haben wir einen sehr hohen Arbeitsschutz, der den sicheren Umgang mit Chrom VI ermöglicht. Durch Bürokratie aus Europa sollten Arbeitsplätze nicht gefährdet werden.

Betriebsrat Philipp erklärt, dass bei Anke Maschinenteile für große Industrieanlagen hartverchromt werden. Hartverchromte Teile werden im Maschinenbau wegen der Härte und Haltbarkeit benötigt. Zu sehen sind Chromteile unter anderem bei Hydraulikstößeln an Baumaschinen. Alternative Verfahren sind zurzeit noch nicht in Sicht. Verchromte Bauteile, die bei Anke den Hof verlassen, enthalten keine Chemie, sondern ungefährliches Metall. Daher hat Philipp kein Verständnis für den Beschluss im Europaparlament, denn für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sind die lokalen Behörden zuständig.

IG Metall, Zentralverband Oberflächentechnik und Betriebsräte erarbeiten eine gemeinsame Stellungnahme zur Verwendung von Chrom VI-Verbindungen

Bereits im letzten Herbst verständigten sich IG Metall, Zentralverband Oberflächentechnik und Betriebsräte auf gemeinsame Stellungnahme zum Umgang mit Chromtrioxid. Ziel ist, die Zulassungsbehörde ECHA und die Europaabgeordneten für eine sachgerechte Verwendung von Chrom VI im Industriebereich zu gewinnen.

Die Europaabgeordnete Constanze Krehl, SPD, hatte den Betriebsrat unmittelbar über den Antrag der Grünen Fraktion im Europaarlament informiert, welchen die IG Metall als Affront gegen die heimischen Arbeitsplätze wertet. Für industrielle Anlagen wird es in absehbarer Zeit keine Alternativen zur Hartverchromung geben. IG Metall und Zentralverband Oberflächentechnik kritisieren daher den Beschluss und fordern die Abgeordneten auf, mit den Betroffenen zu sprechen und nicht über ihre Köpfe hinweg Beschlüsse zu fassen, erklärt Alfons Rüther, IG Metall Essen.