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Entgeltumwandlung für Sachwerte?

E-Bike über den Arbeitgeber leasen? Die Vor- oder Nachteile.

23.06.2017 I Wie wär’s, ein Jobrad über den Arbeitgeber leasen und die Leasingrate vom Bruttolohn abziehen lassen? Das klingt zunächst einmal als lukratives Geschäft. Der Arbeitnehmer spart schließlich Steuern und Sozialversicherungsabgaben. Doch …

Viele Fahrradläden werben mit dem Leasing eines E-Bikes über den Arbeitgeber und versprechen einen echten Gewinn. Immer öfter wird dieser Wunsch von Beschäftigten an den Betriebsrat herangetragen. Doch die Tücken stechen bekannter Maßen im Detail und der Gewinn schmilzt schnell dahin. Was wird bei der Geschäftsidee vermieden?

Was spricht dafür?

Für viele Kolleginnen und Kollegen erscheint diese Option als einzige Alternative, zu einem teuren E-Bike zu gelangen. Die Abzüge vom Brutto belasten erst einmal kaum das zur Verfügung stehende Einkommen. Wer kann sich schon ein E-Bike im Wert von 2.000 € aufwärts leisten? Last but not least, ein E-Bike ist doch auch eine umweltfreundliche Alternative, den CO²-Ausstoß zu senken.

Was spricht dagegen?

Unbestritten, der letzte Absatz zeigt auf, dass vieles für die Anschaffung eines E-Bikes spricht. Doch die Leasingrate vom Brutto abzuziehen, hat mehrere Tücken. Deshalb raten IG Metall und Metall-NRW die Option zur Bruttoentgeltumwandlung für E-Bikes, Tankgutscheine oder gar Tablets ab. In tarifgebundenen Betrieben ist es auch nicht ohne Weiteres möglich.

Hier die Gründe:

1. Entgeltumwandlung vom Tarifentgelt widerspricht dem Tarifvertragsgesetz. Zurzeit ist die Entgeltumwandlung nur zur Altersvorsorge gestattet, weil diese tariflich geregelt ist. Der Arbeitnehmer kann sogar die Entgeltumwandlung vom Tariflohn zurückfordern, der Arbeitgeber hätte das Nachsehen (siehe Anlage Metall NRW). Die Umwandlung vom Brutto für Sachleistungen ist nur für übertarifliche Bestandteile zulässig. Zahlt der Arbeitgeber mehr als Tarif, so können diese Summen auch in Sachleistungen umgewandelt werden. Vielleicht ein Grund, über Zuschläge zu verhandeln.

2. Der Vorteil für den Arbeitnehmer ist gar nicht so groß, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Diebstahlversicherungskosten trägt der Arbeitnehmer, zusätzlich ist der Listenpreis des E-Biks als geldwerter Vorteil zu versteuern. Eine umfassende Stellungnahme mit einem Berechnungsbeispiel wurde durch die IG Metall erstellt. Über Kontakte können Sie diese als IG Metall-Mitglied bei der zuständigen Geschäftsstelle anfordern.

Verdient ein Arbeitnehmer beispielsweise 4.000 € brutto, beträgt die monatliche Netto-Ersparnis unter 25 €. Vielleicht ist da ein Ratenkauf eine günstigere Alternative.

Die Nachteile für die Rentenversicherung sind nicht zu vernachlässigen. Bei einem geringeren Brutto spart schließlich nicht nur der Arbeitnehmer Sozialversicherungsbeiträge ein, es entfällt auch der Arbeitgeberanteil. Beides fehlt später dem Arbeitnehmer bei der Rente.

Die bisherigen Berechnungsmodelle, die von den Jobrad-Leasingunternehmen angeboten werden, geraten im zweiten Blick ins Wanken. Neben der doch geringeren Einsparung für den Arbeitnehmer als vielleicht erwartet, sind Rechtsfragen durch die Finanzverwaltung noch nicht abschließend geklärt. Auch von den Sozialversicherungsträgern gibt es noch keine rechtssichere Freigabe für die Bruttoentgeltumwandlung für Sachleistungen.

Diskussion und Alternativen:

Viele Kolleginnen und Kollegen sprechen die Betriebsräte oder die IG Metall auf solche Leasing-Angebote an. Es wird viele Begründungen der Belegschaft geben und eine große Enttäuschung, wenn das Jobrad als Angebot abgelehnt wird. Diese Begründung zeigt die Tücken auf und auch, dass es Alternativen zur Bruttoentgeltumwandlung gibt.

Statt Jobrad oder einer anderen Leasingorganisation den Gewinn zukommen zu lassen, kann der Arbeitgeber auch einen Sammeleinkauf organisieren. Mit einem kleinen Zuschuss und vielleicht einem Arbeitgeberkredit, der monatlich vom Nettoentgelt abgezogen wird, lassen sich vielleicht genau so gute Konditionen erwirken. Und das ohne Bruttoumwandlung und ohne spätere Rentenminderung.

Bericht: Alfons Rüther, IG Metall Essen

Redaktion: Simon Goldau, IG Metall Oberhausen