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Es geht ums Ganzer

Atos: Warnstreik vor finaler Tarifverhandlung

25.06.2019 I Einen Tag vor der entscheidenden Tarifverhandlung treten mehr als 270 Beschäftigte in einen Warnstreik. Um 10 Uhr am heutigen Morgen hatte die IG Metall die Beschäftigten am Standort Essen zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Beschäftigte aus Düsseldorf und Gelsenkirchen streikten ebenfalls in Essen.

Am Mittwoch treten die Verhandlungspartner in Hamburg zur letzten geplanten Tarifverhandlung zusammen. Ob es zu einem Tarifabschluss zur Transformation kommt ist fraglich, denn noch liegen die Positionen sehr weit auseinander. Atos muss das Unternehmen für die Zukunft umbauen und neu aufstellen (Transformation). Dazu will der Arbeitgeber bundesweit 1600 Arbeitsplätze abbauen und noch einmal die gleiche Anzahl in andere Unternehmen outsourcen. Die Kosten dazu will er mit 75 % auf die Belegschaft abwälzen, in dem diese auf Entgelt und freie Tage verzichten sollen.

Der Demonstrationszug biegt gerade in die Norbertstraße ein

Nicht akzeptabel, erklärt Alfons Rüther, IG Metall Essen, den Streikenden. „Denn gleichzeitig hält Atos an der Dividendenerhöhung um 20 Cent in den kommenden zwei Jahren fest. Atos will die Gewinne steigern und gleichzeitig die Belegschaft zur Ader lassen, das ist für die IG Metall nicht verhandelbar“, erklärt Rüther.

Die IG Metall wirft dem Arbeitgeber einen unstrukturierten Verhandlungsstil vor. Wer einerseits sozialverträglichen Abbau einfordert, der muss andererseits Rechtssicherheit für die Betroffenen schaffen. Verhandlungen über verbindliche Altersteilzeit oder Übernahme von Weiterbildungskosten lehnte Atos bisher ab und fordert diese als freiwilligen Beitrag ein. Stattdessen wiederholte der Arbeitgeber seine Forderung nach Entgelt- und Urlaubsverzicht. Die IG Metall fordert eine Beschäftigungsgarantie über fünf Jahre, hierzu hat der Arbeitgeber noch gar kein Angebot vorgelegt.

Kundgebung vor der Atos-Zentrale in Essen

Die hohe Streikbeteiligung zeigt trotz Sommerhitze, dass der Belegschaft eine sozialverträgliche Lösung am Herzen liegt. Die IG Metall kann nach einer erfolgreichen bundeweiten Warnstreikwelle gestärkt in die kommenden Tarifverhandlungen eintreten.

Ein IG Metall-Vertrauensmann bat die IG Metall, doch zum Warnstreik Toilettenpapier zu liefern. Die Reinigungsverträge würden zurzeit nicht bedient und das Toilettenpapier werde langsam knapp. Er witzelte dabei, ob Atos schon zu solchen Maßnahmen greife, um den Gewinn zu sichern?

Bericht und Bilder: Alfons Rüther, IG Metall Essen