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Bildautor: Walter Kurowski. Rechte an dem Bild: IG Metall Oberhausen

Ulrich Breitbach/ Für Einheit und sozialen Fortschritt

Teil 3 der Geschichte der Oberhausener IG Metall von 1918 bis 1920

12.07.2021 I Wer seine Geschichte nicht kennt, läuft Gefahr, alte Fehler zu wiederholen. Das gilt nicht nur für einzelnen Menschen. Es gilt auch für die Gewerkschaftsbewegung.
Im Laufe des Jahres 1918 verdichten sich die Anzeichen, dass die Verhältnisse an den Fronten und im Innern Deutschlands nicht mehr lange halten werden. Streiks und Massendemonstrationen erschüttern das Land. Anfang November erheben sich die Matrosen in Kiel. Sie wollen nicht noch in den letzten Kriegstagen zum höheren Ruhme der Admiralität verheizt werden. Der nach russischem Vorbild von ihnen und den Beschäftigten der Werften gebildete Arbeiter- und Soldatenrat wird zum Auslöser einer Rätebewegung, die sich rasch im ganzen Land ausbreitet. Am 9. November wird der Kaiser zur Abdankung gezwungen. Er verschwindet am Tag darauf ins niederländische Exil. Die alten Verhältnisse brechen zusammen. Doch was soll an ihre Stelle treten? Für ein paar Wochen scheint die Rätebewegung die vorherrschende politische Autorität in Deutschland zu sein, von der auch der Rat der Volksbeauftragten, die aus je drei Vertretern der MSPD1 und USPD zusammengesetzte Revolutionsregierung, seine politische Legitimation bezieht. Ist die Zeit also reif für die Durchsetzung der Ziele der sozialistischen Arbeiterbewegung, wovon die USPD und Gruppierungen links von ihr überzeugt sind? Oder kann es zunächst nur um die Verwirklichung der parlamentarischen Demokratie gehen, wie die Vertreter der MSPD erklären? Droht gar die Errichtung einer autoritären Herrschaft von ganz rechts, wie sie von Teilen der Reichswehr und reaktionären Freiwilligenverbänden (den sog. Freikorps) angestrebt wird? Um diese Fragen wird in den nächsten Monaten – oft blutig - gekämpft werden. Der dritte Teil Geschichte der Oberhausener IG Metall von 1918 bis 1920 liegt jetzt in der Internet-Fassung vor. Weitere Teile werden je nach Arbeitsfortschritt folgen. Gegenüber früheren Publikationen ist an ihnen neu, dass umfangreiches Quellenmaterial über die Gewerkschaft und die Betriebsräte auf der Gutehoffnungshütte ausgewertet wurde. Da eine Veröffentlichung im Internet vom Umfang her lesbar bleiben soll, konnten manche Aspekte des Themas dennoch nicht oder nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Sie werden neben der Auswertung weiterer Quellen in das Buch eingehen, das dieses Projekt abschließen wird. Ulrich Breitbach studierte Geschichte und Philosophie, arbeitete viele Jahre als freier Journalist und in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und ist seit 2011 Referent des Betriebsrats bei MAN Diesel & Turbo.