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Corona-Pandemie kann Warnstreik nicht ausbremsen

17.01.2022 I IG Metall ruft Beschäftigte der Siebtechnik zum Warnstreik auf.
Mülheim an der Ruhr: Wo es um Filtrierung, Siebung oder gar Klassifizierung von Flüssigkeiten geht, kommt an der Mülheimer Siebtechnik keiner vorbei. Das erfordert Fachleute und die rund 260 Tarifbeschäftigten in Mülheim sind sich Ihrer Fachkenntnisse bewusst. Doch bei einer weiteren guten Entlohnung für die Facharbeit hapert es, kritisiert Wencke Hartjes, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Mülheim, Essen und Oberhausen.

Deshalb ruft die IG Metall die Belegschaft auch zum Warnstreik am Dienstag, 18. Januar 2022, auf, so Hartjes. Die IG Metall fordert 6 % mehr Einkommen und zwei jährliche tarifliche Einmalzahlungen in Höhe von 13,75 % und 26,5 %. Für alle Beschäftigte soll eine Wahlmöglichkeit gelten, ein Teil der Einmalzahlungen in bis zu sechs freie Tage umzuwandeln. Genau hier liegt der Dissens mit der Geschäftsführung, erklärt Hartjes. Bis vor drei Jahren war der Betrieb noch im Arbeitgeberverband organisiert und hat alle Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie umgesetzt. Mit der Wahlmöglichkeit des Tarifabschlusses T-Zug im Jahr 2018, in dem die Belegschaft zwischen einer Einmalzahlung oder freien Tagen wählen konnte, ist der Arbeitgeber in den Arbeitgeberverband ohne Tarifbindung gewechselt.

Aus der Sicht der IG Metall hat die Geschäftsführung mit dem Austritt einen Irrweg gewählt, der an den Wünschen der Arbeitnehmer vorbeigeht. Damals ist es der IG Metall gelungen, mit der Fa. Siebtechnik einen Haustarifvertrag zu vereinbaren, der die Entgelte sowie die Wahlmöglichkeit zwischen Geld oder freie Tage regelt.

Die Wahlmöglichkeit ist allerdings nur befristet vereinbart für ein Jahr. Moderne Belegschaften wünschen heute Flexibilität und Work-live-Balance, so Hartjes. Hartjes stützt Ihre Aussage auf eine Beschäftigtenbefragung, in welcher die Belegschaft einstimmig die Wahlmöglichkeit von Geld und freien Tagen, als Standard fordert. Auch die Forderung nach mehr Selbstbestimmung durch Gleitzeit, Homeoffice und die Anbindung an die tariflichen Bedingungen der Metall- und Elektroindustrie wurde mit einer deutlichen Mehrheit gefordert.

Somit geht die IG Metall am Dienstag gestärkt in den Warnstreik und hofft auf eine große Beteiligung. Hartjes geht davon aus, dass am Dienstag alle Räder für die Zeit stillstehen und die Geschäftsführung über die Solidarität der Belegschaft die Zeichen der Zeit erkennt und dann die Forderungen ernsthaft verhandelt.

Angeboten hatte die Geschäftsführung die zwei jährlichen Einmalzahlung mit der Wahlmöglichkeit zu freien Tagen, allerdings wieder nur befristet für das Jahr 2022. Zudem eine Entgelterhöhung von 2 % für die kommenden 30 Monate. Nicht akzeptabel sagt auch Martin Tschacher, Betriebsratsvorsitzender der Siebtechnik GmbH. „Wir arbeiten am Anschlag und leisten enorm viel Mehrarbeit. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Die Inflation drückt das Einkommen und da muss die Geschäftsführung nachlegen. Nicht nur beim Einkommen, auch bei der Flexibilität.“